DIY#1 Zangenblitz
Die Serie
Als Schüler verdient man entweder nichts oder nur wenig. Die Konsequenz ist – man kann nicht mit Geld um sich werfen. Jetzt hab ich mir aber leider nicht gerade das günstigste Hobby ausgesucht. Darum habe ich zu Schulzeiten (und auch jetzt noch) die abstrusesten Foto-Hilfsmittel selbst gebaut. In einer kleinen Serie möchte ich diese Gerätschaften vorstellen, um anderen den Antrieb zu geben, selbst Zubehör zu bauen. Man darf sich nur keine Scheuklappen aufsetzen (lassen), sondern immer kreativ bleiben, wenn es darum geht, möglichst günstig hochwertiges Equipment zu bauen.
Der Zangenblitz
Problem
Als ich im Makrobereich aktiv war, musste auch ich mich dem Lichtproblem stellen. Durch den kleinen Bildausschnitt kann keine große Lichtmenge auf den Sensor gelangen. Dieses Problem geht mit langer Brennweite (Wackelsensitiv, kleine Blende) und geringem Schärfebereich einher. Aus diesen Faktoren resultiert eine fiese Belichtungszeit, die meist bei um die 1/60 liegt. Klar, viele Profis fotografieren im Makro-Bereich nur mit Stativ. Ich wollte aber nicht immer wieder das Stativ einstellen, das macht mich träger als die meisten Insekten. Darum musste eben mehr Licht her, damit ich weiter aus der Hand fotografieren kann.
Speziell für Makros wurden zwei Blitzformen entworfen: Der Zangen- und der Ringblitz. Ich entschied mich mich für die erste Bauform, da ich zwei gleichwertige Mittenkontaktblitze zur Hand hatte. Die zweite Bauform werde ich in den kommenden Beiträgen präsentieren.
Aufbau
Ein Zangenblitz nutzt üblicherweise zwei Blitze, diese werden seitlich vom Objektiv platziert. Daher der Name. Ich entschied mich für eine solide, starre Halterung der Blitze, an professionelle Geräten kann man die Blitze oft frei einstellen. Die Grundform bildete eine Y-förmige Sperrholzplatte, die am unteren Ende einfach mit der Kamera per Stativschraube fixiert wird. Auch der weitere Aufbau ist sehr simpel. An den verbliebenen Enden habe ich die Blitze – zugegeben, sehr unschön – mit Klebeband positioniert.
Elektronik
So weit, so schlampig. Für viele wird sicher der Elektronik-Teil eher abschreckend sein. Dabei ist der so banal, wie er nur sein kann. Alte, sowohl auch neue Blitze werden schlichtweg durch einen Kurzschluss ausgelöst. Dabei muss ich anmerken, dass Kurzschluss ein sehr negativ behafteter Ausdruck ist und eigentlich nur ein elektronisches Signal ist (0=Strom fließt nicht, 1=Kurzschluss, Strom fließt). An Mittenkontakt-Blitzen findet man die nötigen Kontakte schnell, keine unnötigen TTL-Kontakte verwirren. Oft liegt der Masse-Kontakt seitlich am Blitzschuh, der positive ist der einzelne Stift auf der Unterseite. Stellt man zwischen beiden Kontakten eine Verbindung her, löst der Blitz aus. Und genau das macht die Kamera auch bei jedem Auslösen.
Achtung – Triggerspannung
Alte Blitze legen an diese Kontakte oft einer wesentlich höhere Spannung (bis 250V!) als moderne Blitze (2-3V) an. Digitale Spiegelreflexkameras vertragen deswegen nur bis 6V oder 24V. Über exakte Angaben schweigen sich die Hersteller aus. Höhere Spannungen zerstören den Blitzsteuerungs-Schaltkreis in der Kamera oder womöglich die gesamte Elektronik. Bitte sichert euch vor der Nutzung alter Blitze durch Messungen oder Angaben folgender Seite ab: Strobe Trigger Voltages. Ich übernehme keine Haftung.
An dieser Stelle beschreibe ich nur kurz, wie ich damals die Blitze angeschlossen habe. Heute würde ich das Problem nicht mehr so lösen, inzwischen habe ich eine wesentlich verbesserte Lösung, die ich in einem weiteren Beitrag vorstellen werde. Auch wenn ich hier das Selbst-Bauen anpreise, möchte ich auch Funk-Auslöser erwähnen und empfehlen, diese gewähren eine große Flexibilität.
Damals nahm ich das Signal der Kamera entweder mit einem Blitzschuh oder direkt mit Kabeln ab. Dabei waren die Kabel sehr unzuverlässig auf die Kontakte geklebt. Der Blitzschuh (rot) war zwar unschön aber viel zuverlässiger. An ihn waren vier Kabel gelötet, die das Signal zu den beiden Blitzen transportierten.
Praxis
Nach einigen Testbildern zeigte sich, dass die Chitinpanzer der Tiere bei direktem Blitzen unangenehm reflektierten. Darum brachte ich vor den Blitzen Papierblätter an, um die Lichtquelle zu vergrößern und damit sanfter zu machen.



Fragen zum Zangenblitz? Anregungen oder Lob zum Artikel?
15. Mai 2010 um 12:39
Na der AUfwand (die Bastelei) hat sich doch gelohnt :)