06. September 2008

Tutorial: Einstieg in die Highspeedfotografie

Nachdem ich im vorigen Post “Zerstörungswut” Highspeedfotos präsentiert habe und auch ein Tutorial angekündigt habe, möchte ich jetzt mal die Umsetzung für alle Interessierten ausführlich beschreiben.

1. Definition
Am Anfang einer jeden guten Anleitung steht eine Definition. Warum also nicht auch hier – so reden wir wenigstens alle vom selben Thema.

Kurzzeitfotografie
Unter Kurzzeitfotografie versteht man das Erstellen von Fotografien, welche eine extrem kurze Belichtungszeit von weniger als ungefähr 1/5000s aufweisen. Die Belichtungsdauer wird dabei meistens nicht über mechanische Verschlüsse (wie sonst üblich), sondern durch die Leuchtdauer von elektronischen Blitzgeräten geregelt. (Quelle: wikipedia)

Klingt simpel, oder? Ist es auch.

2. Equipment
Im Grunde braucht man nur eine Kamera mit “Manuellem Modus” und einen externen Blitz. Alles weitere findet man in der Werkstatt oder im nächsten Baumarkt. Und natürlich einen Raum, in dem man ungestört Sauerei machen kann.
Hier mal die Liste von meinem Shooting:

  • Nikon D70s
  • Blitz Sunpak auto 222 (5€ von eBay)
  • zwei Stative für Kamera und Blitz
  • zwei Doppelpacks Lampen (klar und beschichtet), 4 Eier
  • Alurohr, Fahrradventil, Fahrradpumpe, Kugel
  • zweiadriges Kabel, Alufolie
  • diverses Werkstattzubehör wie Klebeband, Holzreste etc.

3. Aufbau

Schaut logisch aus oder? Lang nicht so toll wie das Ergebnis ;-)
Am Besten, ich fang links an.

Geschütz: Nachdem ich mit der eigenen Lunge gescheitert bin, hab ich es ein wenig weiterentwickelt. Das Ding ist schon recht brutal. Eine 65cm langes Alurohr mit 5mm Innendurchmesser, durch ein Fahrradventil an eine Pumpe adaptiert (Daher ist der Innendurchmesser auch wichtig, das Ventil passt exakt). Als Geschoss verwende ich eine Kugel aus einem Kugellager. Als netten Zusatz klebte ich noch einen kleinen Magneten an das hintere Rohrende, der die Kugel an Ort und stelle hält, aber den Schuss nicht beeinträchtigt.

Objekt: Mit Eiern ist es einfach, diese habe ich einfach auf ein Stück Metallrohr gestellt und fertig. Die Lampen wurden in eine alte Fassung geschraubt und an den Tisch geklemmt.

Trigger: Hier kommen Bastler auf ihre Kosten. Der Trigger besteht eigentlich nur aus zwei Alufolien, die durch das Geschoss oder Splitter aneinandergedrückt werden. Die Alufolien werden an Masse und Mittenkontakt des Blitzes angeschlossen. Wie ihr das zustande bringt, ist euch überlassen, die Harten kleben das Kabel direkt an die Kontakte. Das Berühren der Folien erzeugt dann einen Kurzschluss bzw. das Auslösen des Blitzes.
Rohr, Objekt und Trigger sollten natürlich in einer Linie, auf einer Höhe stehen. Sonst hat man Rührei, aber kein Bild.

Blitz: Kann man beliebig positionieren. Mit zwei Blitzen allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese sehr gering voneinander abweichen und so die Leuchtdauer verlängern. Ein Blitz reicht gut, in meinem Fall mit Softbox.

Fenster: Der wichtigste Teil – dunkelt den Raum ab. Streulicht könnte eure Bilder unscharf werden lassen. Ich hab zwei Zeitungen vor die Fenster geklebt und fertig (Lichtschächte, keine Rollos). Blendet man so stark ab wie ich, kann noch soviel Licht einfallen, dass ein Mensch sich orientieren kann.

4. Durchführung
Viel gibts nicht zu sagen, ich hab mit Licht aufgebaut, dann Licht ausgeschalten, mit Selbstauslöser (5s) und 4s belichtet. Erst ein paar Testaufnahmen machen, bis die Belichtung sitzt. Vor dem Schuss kontrollieren ob der Blitz geladen ist, Kamera an ist und so weiter. Während dem Selbstauslöser kann man dann ruhig an die Pumpe gehen und “Luft holen”. Öffnet die Kamera den Verschluss, schießt man – doch Vorsicht bei den Lampen, wegen Splittern nicht direkt hinsehen oder Schutzbrille tragen.

Warnhinweis
Ich übernehme keinerlei Haftung für euch und eure Einrichtung ;-). Epileptiker und migräneanfällige Personen sollten sich überlegen ob sie Blitz im dunklen Raum ertragen.

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